Sommer in Deutschland – das bedeutet meistens nicht nur Freibad und Eiscreme, sondern stellt auch unsere Hardware vor echte Herausforderungen. Wer eigene Server oder Homelabs betreibt, wirft in diesen Tagen vermutlich einen besonders nervösen Blick auf die Monitoring-Dashboards.
Ich habe mir die Messwerte meines Servers „HorstTower“ aus der Woche vom 21. Juni bis zum 28. Juni abgesichert. Das Ergebnis? Die Hitzewelle, die uns in dieser Woche draußen ins Schwitzen gebracht hat, lässt sich prima an den Systemdaten ablesen – inklusive eines klassischen „Layer-8-Fehlers“ meinerseits mitten am Wochenende und einem ordentlichen Ansturm am Sonntag.
Die CPU-Auslastung: Ein ganz normaler (und ein extrem geschäftiger) Tag
Schauen wir uns zuerst die reine Rechenleistung an. Die CPU-Auslastung zeigt über die Woche hinweg das gewohnte Bild eines dynamisch genutzten Systems:

Unter der Woche (21. bis 25. Juni) sehen wir eine solide Grundlast von etwa 10 bis 15 Prozent, unterbrochen von regelmäßigen, kurzen Lastspitzen. Ein paar markante Ausreißer ragen heraus, aber das System läuft insgesamt stabil.
Richtig spannend wird es dann am Sonntag, dem 28. Juni: Hier brennt die Hütte – und zwar sprichwörtlich. Das System ist über weite Strecken extrem gefordert, die Auslastung springt permanent rauf bis nahe an die 100-Prozent-Marke. Doch fällt euch der Samstag auf? Dazu gleich mehr.
Die CPU-Temperatur: Wenn die Baseline nach oben klettert
Interessant wird es, wenn wir diese Auslastung mit der Temperaturentwicklung der CPU vergleichen. Hier zeigt sich der direkte Einfluss des Sommerwetters auf die Raumtemperatur:

Zu Beginn der Woche, am 21. Juni, startet die CPU bei niedriger Last mit einer absolut entspannten Betriebstemperatur von rund 37 bis 38 °C. Selbst die Lastspitzen treiben die Temperatur kaum über 40 °C.
Doch im Laufe der Tage heizen sich die Räume spürbar auf. Von Tag zu Tag wandert die „Baseline“ (die Temperatur im Leerlauf) unaufhaltsam nach oben:
- Am 23. Juni liegt das Minimum schon eher bei 38 bis 39 °C.
- Am 25. und 26. Juni kratzt die Temperatur im Leerlauf bereits an der 40-Grad-Marke.
Samstag: Das große Daten-Vakuum
Wer einen genauen Blick auf den 27. Juni (Samstag) wirft, bemerkt in den CPU-Diagrammen eine völlig unnatürliche, absolut schnurgerade Linie. Weder die CPU-Auslastung noch die Temperatur bewegt sich auch nur einen Millimeter. Ein perfektes, magisches System-Setup? Schön wär’s!
Die Erklärung ist viel simpler: Die gesamte Erfassung und Visualisierung dieser Messwerte läuft über meine Home Assistant VM. An diesem Samstag habe ich eine Einstellung an genau dieser VM geändert und danach schlichtweg vergessen, sie wieder zu starten.
Da die Monitoring-Instanz also den kompletten Samstag offline war, gab es schlichtweg keine Messwerte. Das Dashboard hat für diesen Zeitraum im CPU-Graphen einfach die Lücke zwischen dem letzten Wert vor dem Ausschalten und dem ersten Wert nach dem Einschalten linear überbrückt. Ein klassischer Fail beim Wartungsfenster!
Die Festplatten: Zwischen Spin-Down und Sommerhitze
Dass der Serverraum von Tag zu Tag wärmer wurde, beweist aber auch ein Blick auf die Festplatten. Hier sehen wir exemplarisch den Temperaturverlauf von Disk 2:

Beim Betrachten fallen sofort die vielen leeren Stellen im Graphen auf. Keine Sorge, das ist kein Datenverlost, sondern ein gewolltes Feature: Wenn die HDDs eine Weile nicht gebraucht werden, schicken sie sich selbst in den Standby-Modus (Spin-Down). In diesem Zustand schlafen die Platten, verbrauchen kaum Strom – und senden logischerweise auch keine Temperaturwerte an das Monitoring.
Sobald die Festplatte aber aufgeweckt wird und anläuft, schlägt die Sommerhitze eiskalt zu:
- Am Anfang der Woche (Sonntag bis Dienstag) kletterte die HDD bei Aktivität auf völlig normale 45 °C.
- Gegen Ende der Woche (Freitag bis Sonntag) reichte der Spin-Up aus, um die Platte auf 49 °C bis knapp 50 °C zu jagen!
Da Festplatten im Betrieb ihre eigene Wärme erzeugen, merkt man hier extrem, wie viel schwerer ihnen die Kühlung fällt, wenn die Umgebungsluft im Raum ohnehin schon aufgeheizt ist.
Das furiose Finale am Sonntag: Hitze-Flucht auf den Server
Am Sonntag, dem 28. Juni, lief die Home Assistant VM dann wieder und das Logging setzte genau in dem Moment wieder ein, als die Kurven völlig rasant nach oben schossen. Und das hat einen ziemlich logischen Grund:
Draußen war es unerträglich heiß. Statt in der prallen Sonne zu brutzeln, haben meine Familie und Freunde den Tag wohl lieber drinnen im kühlen Schatten verbracht – und parallel dazu meinen Server und seine Dienste ausgiebig genutzt!
Hier kam dann die ungünstigste Kombination der Woche zusammen: Die Räume waren durch die Hitzewelle der Vortage ohnehin schon maximal aufgeheizt, und gleichzeitig herrschte durch den plötzlichen Ansturm digitaler Hitzeflüchtlinge absoluter Hochbetrieb auf der Hardware. Das Ergebnis sehen wir im Rekord-Peak der Woche: Die CPU knackt die 46 °C-Marke und die vielbeschäftigte Festplatte schrammt mit fast 50 °C nur haarscharf an der magischen Grenze vorbei.
Fazit
Die Daten zeigen eindrucksvoll, dass Server-Monitoring immer auch ein Stück weit Raumklima- und Freizeit-Monitoring ist. Wenn das Wetter die Leute nach drinnen treibt, glüht eben die Hardware. Für moderne Systeme ist das zum Glück alles noch im grünen Bereich, aber es zeigt deutlich, wo die Reise hingeht, wenn der Sommer so richtig aufdreht.
